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Swanetien

11. September - 24. September 2015

Batumi - Mestia - Kutaisi

Bisher geradelte Strecke: 7743 km

Während der vier Ruhetage im georgischen Grenzort bewegen wir uns nicht viel, außer wir steigen hinab, von unserem hochgelegenem Guesthouse, um uns mit dem, hier wieder reichlich angebotenem Bier zu versorgen, welches wir dann, noch in Hörweite des türkischen Muezzins (wir haben uns so an seinen Gesang gewöhnt und werden ihn bestimmt vermissen), genießen. So begehen wir hier auch in aller Ruhe Petras Geburtstag.

oe 16 01Danach machen wir uns auf Georgien zu erkunden und damit sind natürlich vor allem die Berge gemeint. Es geht zunächst entlang der georgischen Schwarzmeerküste, vorbei an Batumi (dessen Besichtigung wir uns für später aufheben wollen) und anderen Badeorten, ehe wir ins Landesinnere, Richtung Berge abbiegen. Wir beginnen uns langsam zu fragen, wo nun eigentlich das Georgien ist, über das wir so viel Schwärmerisches erfahren haben. Bis jetzt haben wir nur eine eher mittelprächtige Landschaft und wenig einladenden Ortschaften erlebt, in denen wir uns nur in Miniläden, mit bescheidenem Angebot, versorgen können. Auffällig ist das reiche Tierleben auf den Straßen. Hier tummeln sich, scheinbar unbeschwert, Kühe, Schweine und Federvieh. Der Verkehr muss oft im Slalom um die Tiere herum kurven und wir beneiden sie ein bissel dafür, dass sie sich dadurch kaum aus der Ruhe bringen lassen. Jedoch die Haltestellenhäusel sind für sie tabu. Die sind alle mit Zäunen versehen.

oe 16 01oe 16 01Nach mehr als zwei Tagen Radelei, wird es dann endlich interessant. Wir erreichen die ersten Berge im Nordwesten des Landes und damit den Großen Kaukasus. Bis zu unserem Ziel Swanetien müssen wir aber noch einige Höhenmeter gewinnen. Drei Tage fahren wir durch das Tal des Enguri, vorbei an seiner Talsperre, auf einer kaum befahrenen, mit vielen düsteren Tunneln bestückten Straße, so nach und nach, wieder auf über 1000 m hinauf. Fast immer können wir auf den Fluss unter uns blicken, der flankiert wird von mal mehr und mal weniger steilen Felshängen. Eine traumhafte Landschaft, mit üppigen Bergwäldern und von schneebedeckten mehr als 4000 m hohen Gipfeln überragt. Es gibt es also doch, das Georgien, das wir erwartet haben.

oe 16 01oe 16 01Wir erreichen Mestia, die bedeutendste Stadt Swanetiens. Schon von Weitem können wir die typischen Wehrtürme der Region sehen, welche vor mehr als 400 Jahren einzelnen Familienverbänden, als Zufluchtsorte im Ernstfall dienten. Wir legen in dem sehr touristischem Ort einen Ruhetag ein und besichtigen einen der Türme und ein original erhaltenes Wohnhaus der Swanen. Im Hauptraum verbrachte die Grossfamilie mit mehr als 25 Mitgliedern und das gesamte Vieh gemeinsam den Winter - unvorstellbar. Über den Kühen und Schafen schliefen die Menschen in der von den Tieren abgegebenen Wärme. Die Feuerstelle in der Mitte hatte keinerlei Rauchabzug, der Qualm sollte frei aufgehängtes Fleisch räuchern, bevor er sich durch die Ritzen verzog. Wie man bei diesen Lebensbedigungen während des langen Winters überhaupt noch etwas riechen konnte, ist uns ein Rätsel. Aber Schweine hatten Pech, die durften des strengen Geruches wegen nicht mit hinein und wurden im Herbst geschlachtet.

oe 16 01oe 16 01oe 16 01Jetzt geht es weiter zur nächsten Attraktion des Gebietes, nach Uschguli. Wie auch Mestia ein UNESCO-Weltkulturerbe. Dies soll der höchstgelegene bewohnte Ort Europas sein. Die Lebensbedingungen hier, in etwa 2200 m Höhe, sind bestimmt nicht einfach und so scheint die Zeit etwas stehengeblieben zu sein. Jedoch hat man auch hier den Tourismus für sich entdeckt, wenn auch noch sehr bescheiden.

oe 16 01Wenn wir zu unserer Weiterfahrt befragt werden, bekommen wir meist ungläubige Blicke geschenkt. Auf dieser Piste nach Kutaissi? Mit dem Fahrrad? Unmöglich!
Zugegeben, es war auch sehr anstrengend, die Fahrräder auf der extrem steinigen Naturpiste zu einem 2600 m hohen Pass zu bugsieren. Das ging meist nur schiebend und oft nur mit vereinten Kräften. Wir kommen einen Tag lang nur wenige Kilometer mit kaum 5 km/h voran. Auch auf der folgenden Abfahrt sind wir kaum schneller und müssen hin und wieder schieben. Doch die Umgebung belohnt uns. Einsamkeit und Natur pur um uns herum. Ein super Wetter mit sommerlichen Temperaturen begleitet uns. Doch die Nächte werden schon richtig kalt und Temperaturen von unter Null Grad, lassen uns tief in unsere Schlafsäcke kriechen. Jetzt wissen wir wenigstens, warum wir die zurückliegenden Sommermonate, die dicken Schlafsäcke mit uns herumgeschleppt haben. Doch wir sind nicht ganz allein. Einige Radfahrer - wir sind also nicht die einzigen Verrückten - kommen uns entgegen. Die Armen, die haben die größten Mühen noch vor sich! Bis zum ersten Ort auf der anderen Passseite begegnen wir nur zwei motorisierten Fahrzeugen: einem Polizeijeep, auf Kontrollfahrt und einem deutschen VW-Bus. Den letztgenannten sehen wir unten im Tal, fahruntüchtig am Wegesrand wieder. Nun, diese Strecke ist wohl doch nicht, für jedes Fahrzeug geeignet. Wir kommen jedenfalls heil wieder unten an und bereuen es nicht, die Strapazen auf uns genommen zu haben - ein tolles Erlebnis.

oe 16 01oe 16 01oe 16 01Nach vier Tagen und rund 100 Kilometern unbefestigter Piste, können wir nun endlich wieder auf Asphalt rollen und verfallen fast in einen Geschwindigkeitsrausch, denn so schnell die Landschaft an uns vorbeifliegen zu sehen, sind wir nicht mehr gewöhnt. So erreichen wir Kutaissi, die sehr überschaubare, aber immerhin zweitgrößte Stadt Georgiens und finden auf Anhieb ein schönes Zimmer für ein paar faule Tage.