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Anreise

"Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen."
An diesem Sprichwort ist bekanntlich viel dran, doch wir erleben diesmal schon vor dem eigentlich richtigen Beginn des Reisens so Einiges:

Dabei fing alles so gut an. Auf der Fahrt von Dresden nach Frankfurt lief alles, wie geschmiert. Bei strahlendem Sonnenschein düsen wir im vollbepackten Mietwagen vorbei an schöner Herbstlandschaft Richtung Flughafen. Mit reichlich Zeitpuffer kommen wir dort an und können in Ruhe all unseren Krempel endgültig flugfähig verschnüren. Drei Stunden vor Abflug beginnt der Check-in. Da wir bereits am Vorabend online eingecheckt haben, ist unsere Schlange nicht lang und schon bald stehen wir vorm Schalter. Und nun beginnt der Stress:
Die Angestellte ist von Anfang an sehr schnippisch: Wo ist der zweite Reisende? - Wir haben zwei Räder dabei, er bringt sie hier her. Dort kommt er. (Mathias ist nur noch wenige Schritte entfernt.) - Wo, ich sehe niemand, er muss hier herkommen! - Ja natürlich, dort ist er. (Mathias hat sich nun inzwischen mit einem Rad an den Wartenden vorbei zum Schalter durchgeschleust.) - Sie reisen nach Auckland? Kann ich ihre Visa sehen? - Wir haben keine, drei Monate kann man sich doch ohne in Neuseeland aufhalten!? - Ihr Rückflug ist aber erst in einem halben Jahr! - Wir wollen die Möglichkeit nutzen und die entsprechenden Visa in Neuseeland beantragen. - Wir sind hier nicht in der Märchenstunde! Ohne Visa nehmen wir sie heute nicht mit! (Uns rutscht das Herz in die Hose) - Ja, aber ... - Lassen sie mich ausreden! Ihr Rückflug ist in einem halben Jahr, ohne Visa kommen sie nicht mit! - (Das Freundlichbleiben unsererseits fällt immer schwerer, die andere Seite bemüht sich gar nicht erst) Ja, aber ...
So geht es noch eine Weile weiter. Wir erfahren mehrmals, dass wir keine Märchen erzählen sollen und bekommen keine Möglichkeit, auch nur einen vernünftigen Satz zu äußern. Nun greift man zum Telefon und erklärt unseren Sachverhalt vermutlich einem weiteren Mitarbeiter. Ich kann sie nicht abfertigen. Treten sie zur Seite und warten sie!

oe5 1 1Wir sind geschockt. Wir hatten damit gerechnet, dass diese Hürde nicht einfach zu nehmen ist, doch haben wir mit dergleichen Problemen erst bei der Einreise nach Neuseeland gerechnet. Wir wissen, dass man nur drei Monate visafrei im Land bleiben kann. Ein längerer Aufenthalt bedarf eines Visum. Doch die Formalitäten dafür waren für uns in Deutschland zu umständlich, denn aufgrund unseres erst kürzlichen längeren Indienaufenthaltes, hätten wir ein ärztliches Attest, inklusive Röntgenaufnahmen gebraucht. Die wenigen in Deutschland dazu autorisierten Ärzte praktizieren jedoch allesamt in von Dresden aus weit entfernten Gegenden und der Aufwand wäre erheblich gewesen. So haben wir uns für die durchaus übliche Variante entschieden: zunächst visafrei nach Neuseeland einzureisen und das Visum samt der ärztlichen Atteste vor Ort zu beantragen, denn hier gibt es viel mehr dafür befähigte Ärzte. So weit, so gut. Wir wissen natürlich auch, dass solch ein Prozedere, sehr vom Willen des jeweiligen Bearbeiters abhängt, und haben hierfür auch schon einen Plan B in petto: Nach drei Monaten reisen wir ins nahe Australien aus, um dann erneut in Neuseeland einzureisen. Das ist gesetzlich möglich. Die dazu nötige australische Aufenthaltserlaubnis haben wir bereits im Vorfeld online beantragt und in der "Tasche" und nun hängen wir uns umgehend ans Internet und buchen, haste was kannste, für Mitte Januar einen Flug nach Sydney. Gott sei Dank funktioniert das Internet im Flughafen unkompliziert und flott. Zudem haben wir uns diesbezüglich in den Tagen zuvor schon vorinformiert und so haben wir nach kurzer Zeit ein Flugticket vorzuzeigen. Doch welch ein Wunder: Ohne unsere neu erworbenen Tickets auch nur zur Kenntnis zu nehmen, spricht nun inzwischen niemand mehr von den Einreiseproblemen. Stattdessen beginnt man mit dem Einchecken. Da hatten wir wahrscheinlich doch so was von Recht! Von wegen Märchenstunde und so - ha! Natürlich gibt das niemand zu.

Doch was jetzt folgt, ist reine Schikane: Der uns nun bearbeitende Angestellte moniert unsere so sorgfältig verpackten Fahrräder und verlangt stattdessen einen kompletten Fahrradkarton. Die meisten Fluggesellschaften verlangen dies im Vorfeld, nur ist das schwer zu realisieren. Zum einen würde man aufgrund des Ausmaßes für den Transport zum Flughafen ein Riesenauto benötigen - ein unverpacktes Fahrrad kann man indessen auch in einen größeren Pkw quetschen, und zum anderen ist es auf dem Rückweg in vielen Ländern schlicht unmöglich dementsprechende Kartons zu bekommen. Schon x-mal sind wir unkompliziert ohne Karton transportiert worden. Natürlich haben wir stets alle nötigen Vorkehrungen getroffen: Räder blitze blank geputzt, Lenker quer, Pedalen nach innen, alle relevanten Teile sorgfältig in Pappe verpackt und umwickelt und so weiter. Zudem ist Erfahrungsberichten zufolge der Transport in Kartons keinesfalls schonender, denn die Riesendinger sind vom Personal einfach schwer zu händeln und werden somit teils rüde behandelt. Da ist ein Fahrrad, dass sogar geschoben werden kann und viele Anfassmöglichkeiten hat, schon einfacher zu handhaben. Doch was interessiert das schon unseren allmächtigen Flughafenmitarbeiter. Ohne Karton wird nix! Nun liegen die Nerven endgültig blank! Mathias macht sich auf den Weg durch den Flughafen, um den zugewiesenen Shop zu suchen und erscheint wenig später mit zwei entsprechenden Kartons wieder. Unglaublich, dass es die überhaupt gab und was die gekostet haben, wollt ihr lieber nicht wissen. (Ob womöglich die Abfertigungsangestellten am Verkaufsgewinn beteiligt werden?) Natürlich passen unsere Räder auf die Schnelle nicht wirklich in die Kartons hinein und so zerfleddern diese bereits beim Einpacken. Oben gehen die Kisten gar nicht erst richtig zu, wir machen es irgendwie passend. Doch jetzt erklärt man uns, dass wir sie verkehrt herum benutzt haben: Die Räder müssen unten herausschauen! Hä - was ist das denn für ein Unsinn, eine falsche Handhabung und die Räder sind wieder unverpackt. Ein bereitstehender Transporteur meint, dass doch nun alles so gut sei und zudem viel besser. Doch auch er hat wenig zu melden. Der Schalterangestellte bemerkt wohl, dass unsere Schmerzgrenze erreicht ist, und legt nun selber Hand an - mit wenig Erfolg natürlich und gibt letztendlich auf.
Fluchtartig, mit den Tickets in der Hand, verlassen wir den Ort des grausamen Geschehens. Schnell weg, ehe den Leuten noch mehr einfällt. Wir schieben das ganze Vorgefallene keineswegs auf die Fluggesellschaft, denn andere erfahrene Reisende, sind um das alles herumgekommen, sondern eher auf die unangenehme arrogante Art der Frankfurter Flughafenangestellten. Sicher haben sie ihre Anweisungen, doch wie sie diese umsetzen, ist so was von kundenunfreundlich - nein, so etwas haben wir noch nie erlebt und wollen es auch nie wieder erleben müssen.
Das ganze oben beschriebene Gezeter hat mehr als zwei Stunden gedauert. Welche Wohltat, als wir nach der kurzen verbleibenden Wartezeit dann im Flugzeug überfreundlich mit einem typisch thailändischen Lächeln und "Sawadii kah" begrüßt werden. Total geschafft fallen wir in die Sitze und genießen den so zuvorkommenden guten Bordservice von Thai Airways.

oe5 1 1Nach insgesamt 22-stündigem Flug, mit einem mehrstündigen Zwischenaufenthalt in Bangkok, werden wir zerknittert und todmüde in Auckland an Land gespuckt.
Wir sind bereit uns der nun hoffentlich letzten Einreisehürde zu stellen.
Zunächst erwartet uns die Passkontrolle: entgegen aller Befürchtungen ist diese völlig easy und unbürokratisch, nämlich elektronisch. Dabei muss man drei Fragen beantworten: dass wir wissen, dass man nur drei Monate visafrei im Land bleiben darf - Yes -, ob wir ein Rückflugticket haben - Yes - (nun sogar mehrere)... Doch dann, im Eifer des Gefechts beantwortet Petra die dritte Frage auch mit einem euphorischem - Yes - ... ups, denn die lautet: ob man wegen einer Straftat im Gefängnis saß. Nun wird sie zur manuellen Bearbeitung doch noch an einen Schalter beordert. Aber auch das bleibt unproblematisch. Stempel in Pass und fertig. Vielleicht ist sie ja jetzt als straffällig registriert, denn dass wurde nicht mehr hinterfragt.
Nun nähern wir uns mit bangendem Herzen dem Zoll. Die vorgeschriebene Erklärung dazu haben wir bereits im Flugzeug akribisch genau ausgefüllt. Wir wissen die Neuseeländer nehmen es genau und lassen keinen "außerirdischen Dreck" auf ihre Insel. Schwierig mit einer Campingausrüstung und Rädern. Doch wir haben unsere Hausaufgaben gut gemacht. Der Beamte strahlt und lobt die blank geputzten Räder und vertraut unserer Aussage, dass das Zelt nagelneu und der Rest gründlich gereinigt ist. Auspacken müssen wir nix. Vor einem letzten Röntgen der ganzen Bagasche werden wir noch mal darauf hingewiesen, dass wir keinerlei Früchte oder Fleischwaren dabei haben, sonst käme uns das teuer zu stehen, doch gegen unsere letzte deutsche Schokolade hätte man nicht einzuwenden.
Alles geht gut und erleichtert machen wir nun die ersten selbstbewussten Schritte auf neuseeländischen Boden - Wir sind angekommen! Endlich kann diese Tour wirklich beginnen. Natürlich wollen wir auch in Zukunft viel Erzählenswertes erleben, doch hoffentlich anderer Art!

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