Download Joomla by Hosting Reviews

Wieder im Norden

13. - 21 Juni 2014

Chefchaouen - Al Hoceima / Nador

Geradelte Strecke: 479 km

Wir starten zur letzten Etappe unserer Tour. Pausen können wir uns nicht mehr leisten und so werden die sechs vor uns liegenden Radeltage sicher kein Zuckerschlecken.
Erst nach einem mehr als 10 km langen Anstieg verlieren wir das unter uns liegende Fes aus den Augen.

marokko-8-01 Trotz der zwei Ruhetage, läuft es irgendwie nicht so richtig. Später merken wir, dass heute der heißeste Tag des Urlaubs ist, locker über 40°C. Schweißtreibenden Anstiegen folgen Abfahrten, bei denen man das Gefühl hat einen heißen Fön vorm Gesicht zu haben.

marokko-8-02 Später ist die Gegend wieder etwas flacher und der ruhige Verkehr lässt uns entspannt radeln. Doch vor Zoumi wird es wieder hügeliger und danach wild bergauf und –ab.

marokko-8-03 Nach zwei Tagen ist Chafchaouen erreicht, das an den südlichen Ausläufern des Rif-Gebirges am Berghang oberhalb eines Tales liegt. Schon beim ersten Anblick der Stadt sieht man ihre Besonderheit. Blau-weiß leuchtend liegt sie unterhalb zweier mächtiger Zweitausender. Wir wollen möglichst schnell ein Hotel finden um den Rest des Tages für Ausruhen und Stadtbesichtigung zu haben.

marokko-8-04 Die Altstadt ist ähnlich exotisch der von Fes, nur kleiner. Es gibt kleine verwinkelte Gassen zwischen den so markant getünchten Häusern. Wir bummeln ausgiebig durch die sich terrassenförmig den Hang hinaufziehende Medina. Fotomotive wohin man auch schaut.

marokko-8-05 marokko-8-06 Wir entscheiden uns von Chefchaouen aus nicht der N 2 quer durch das Rifgebirge bis Al Hoceima zu folgen, sondern wollen auf der N 16 entlang der Küste fahren. Wir hoffen auf weniger Berge und interessante Landschaft. Doch ob das die richtige Wahl ist!?
Nichts wird aus dem erhofften leichten Radeln ans Meer hinunter. Mehrmals dürfen wir aus Tälern hoch hinauf strampeln. Nur die letzten Kilometer läuft es schön eben durch die weite Schwemmebene bei dem Ort Qued Laou. Je weiter wir ans Meer kommen, desto dichter wird der Dunstnebel um uns herum.

marokko-8-08 So am Meer sollte es doch viel Fisch geben, das einzige Angebot waren aber gegrillte Sardinen, die nicht schlecht schmeckten aber ein ziemliches Gefummel mit den Gräten und der Haut waren.

marokko-8-09 Entlang der Küstenstraße erwartet uns nun eine echte Härtetour. Zwei Tage geht es ständig bis zweihundert Höhenmeter hinauf und in jedes Tal wieder komplett auf Meereshöhe nach unten. Dabei sind die Steigungen fast immer steiler als 10 Prozent und das macht mit den schweren Rädern wahrlich keinen Spaß. Das trübe Wetter mit der hohen Luftfeuchtigkeit und die kahlen Berge heben auch nicht gerade die Stimmung, zumal wir, weil auf Grund der hohen Luftfeuchtigkeit nichts trocknet, ständig klitschnass sind. Zum Glück bewahren uns einigermaßen angenehme Temperaturen vorm frieren.

marokko-8-10 marokko-8-11 Bis El-Jebha ändert sich am Streckenprofil und der Landschaft nichts. Nun folgt der längste Anstieg dieser Küstenstraße auf mindestens 700 Meter Höhe. Doch da die Straße nun weiter ins Landesinnere ausweicht, ist mehr Platz und die Steigung ist deutlich geringer.

marokko-8-12 Im Nachhinein wird sich herausstellen, dass wir auf dieser Tagesetappe mit über 3000 m die meisten Höhenmeter pro Tag des Urlaubs gestrampelt sind. Obwohl wir den Meeresspiegel immer vor Augen hatten, waren das mehr, als in den "richtigen" Bergen des Atlas.
Kaum zu glauben, so dicht am Meer und kein trinkbares Wasser weit und breit. Wir müssen uns echt in mehreren Häusern den Wasservorrat aus Kanistern zusammenbetteln. Die Berge lassen nun langsam nach und wir haben Hoffnung unser Ziel Al-Hoceima auch wirklich zu erreichen. Die Landschaft bleibt allerdings reizlos.

marokko-8-13 Die Stadt liegt in einer sehr hügeligen Gegend mit verdammt steilen Anstiegen, das Zentrum aber auf einem Plateau über dem Meer. Dort soll sich laut Reiseführer auch der Busbahnhof befinden. Wir haben nur noch einen Tag Zeit und bis Nador sind es noch ca.130 km. Bei dem Streckenprofil - unzumutbar. So wollen wir den Urlaub nicht ausklingen lassen.

marokko-8-14 Etwas komisch scheint es schon, wie in der engen Altstadt der Busbahnhof unterkommen soll. Wir finden dann auch nur ein CTM-Büro. Wir kaufen Tickets für den folgenden Tag und erfahren, dass das neue Terminal weiter draußen ist. Um absolut sicher zu gehen, laufen wir danach gleich mal zum beschriebenen Platz und tatsächlich steht da ein, für marokkanische Verhältnisse schicker moderner Busbahnhof.
CTM ist nicht preiswert, aber eine absolut akkurate Firma. Das Ticket kostete 50 Dirham/Person (4,50 EURO) plus sehr preiswerte 20 Dirhams (1,80 EURO) für alles Gepäck und die Räder. Die Fahrt verläuft ereignislos.
In Nador ist der Busbahnhof direkt im Zentrum. Wir kennen uns ja schon ein bissel aus und finden schnell für eine letzte Nacht ein Hotel. Die Räder landen im Heizungskeller.
Wir suchen uns zum Essen ein "nobles" Restaurant. Das Essen ist aber nicht allzu viel wert.
In unserem Zimmer können wir die lautstarke Fußball-WM-Übertragung auf der Gasse vor unserem Fenster mit verfolgen. Aber nach Spielende gegen 22 Uhr ist schlagartig Ruhe und die Leute gehen heim. Bei uns würde man bei dem warmen Wetter noch ewig das Spiel mit vielen Bieren auswerten. Das islamische Alkoholverbot hat also auch Vorteile. Trotzdem wird unser Bierdurst immer größer und wir beginnen uns ein bissel auf die Heimkehr zu freuen.

Unser Flug geht erst nach Mitternacht und so können wir uns viel Zeit lassen.
Auf der uns nun schon ebenfalls vertrauten Straße trödeln wir Richtung Flughafen und machen hier und dort noch ausgiebige Pausen.
Vor dem Airport nutzen wir die letzten Sonnenstrahlen auf den wunderbar gepflegten Wiesen. Dann kommt wieder der Ernst des Reisens in Form von Packen, Räder vorbereiten und warten dass es losgeht.

marokko-8-15

AUF WIEDERSEHEN, MAROKKO!

marokko-8-16Gegen 2 Uhr starten wir in Nador, drei Stunden Flug bis Köln, drei Stunden Aufenthalt und eine Stunde bis Dresden. Gegen Mittag stehen wir mit einer halben Stunde Verspätung wieder in Dresden. Hier machen wir unsere Räder zurecht und fahren nach Hause.